Ihr Ansprechpartner


Thomas Mirkes


Tel: 00352 – 27 28 15 38

E-Mail: info@mycon.lu




Wirtschaftlich optimiertes Wärmeschutzniveau

waermeschutzniveau

Beim Passivhaus ergeben sich die Bauanforderungen aus der Energiebilanz mit dem PHPP. Die einzelnen Bauteile müssen mindestens so gut sein, dass insgesamt der Passivhaus-Standard erreicht wird. Dann können die Investitionskosten für die Heizungstechnik sinken, weil Zuluftheizung möglich wird. Bei der Altbaumodernisierung kann der Passivhaus-Standard aber häufig aufgrund typischer Erschwernisse (insbesondere Wärmebrücken durch Kellerwände) nicht mit vernünftigem Aufwand erreicht werden. Es stellt sich daher grundsätzlich die Frage, welcher andere Maßstab für das Wärmeschutzniveau angewendet werden kann. Eine Möglichkeit ist es, für jedes Bauteil das wirtschaftlich optimale Wärmeschutzniveau zu verwirklichen.

Das Diagramm zeigt den jährlich durch eine Wärmeschutzmaßnahme erzeugten Gewinn in Abhängigkeit vom erzielten Wärmedurchgangswiderstand (hier für die Anbringung eines WDVS an einer ungedämmten Altbauwand, bei der ohnehin ein Neuanstrich erforderlich war). Für die Berechnung wurde davon ausgegangen, dass die Investitionskosten vollständig durch einen Kredit finanziert werden. Der jährliche Gewinn ergibt sich, vereinfacht ausgedrückt, aus der jährlichen Heizkosteneinsparung gegenüber der Bestandsituation, abzüglich der jährlichen Kosten für Zinsen und Tilgung. Dabei wurden nur die tatsächlich durch die Energiesparmaßnahme verursachten Investitionskosten angerechnet. Kosten die ohnehin angefallen wären (Gerüst aufstellen, Wand neu streichen) wurden abgezogen.

Wie aus dem Diagramm ersichtlich liegt das absolute wirtschaftliche Optimum bei einer Dämmdicke des WDVS von 22cm, was einem U-Wert von 0,16 W/(m²K) entspricht. Damit ist ein Gewinn von knapp 4 € pro Quadratmeter Fassadenfläche und Jahr erzielbar- und das vom ersten Jahr an. Allerdings ist die Kurve im Bereich des Optimums sehr flach. Bedenkt man zusätzlich die relativ unsicheren Annahmen hinsichtlich Zinshöhe und zukünftigen Energiepreisen, die jeder Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu Grunde liegen, so sollte man eher von einem ökonomisch optimalen Bereich sprechen. Dieser liegt ungefähr zwischen U-Werten von 0,23 und 0,11 W/(m²K). Wählt man eine Dämmdicke am oberen Rand dieses Bereichs, so lässt sich bei annähernd gleichem Gewinn, eine größere Unabhängigkeit von zukünftigen Energiepreissteigerungen erzielen.

Die einzelnen Parameter für die Berechnung sind im Folgenden dokumentiert. Zusätzlich gibt es noch weitere Anforderungen an das Wärmeschutzgesetz, die, unabhängig von der Wirtschaftlichkeit, immer berücksichtigt werden sollten. Dazu gehört die Sicherstellung einer guten thermischen Behaglichkeit für die Bewohner und der Tauwasserfreiheit der Innenoberflächen.

Ohnehin anstehende Erneuerung des Fassadenanstrich – durch das Koppeln dieser Maßnahme mit dem Aufdübeln eines Wärmedämmverbundsystems (22cm, λ=0,040 W/(m²K)) auf den alten Putz kann der Wärmedurchgangskoeffizient der Wand von 1,41 auf 0,16 W/(m²K) verbessert werden. Für den „wirtschaftlich gebotenen Wärmeschutz“ sind Investitionen von 106 €/m² nötig. Weitere 9 €/m² fallen für den „zukunftsweisenden Wärmeschutz“ an. Damit können Energieeinsparungen von 108 bzw. 112 kWh/(m²a) erreicht werden. Die Erneuerung des Fassadenanstrichs würde Investitionen von 20 €/m² erfordern (auch hier wird von einer typischen Putzfassade ohne zusätzliche Strukturelemente ausgegangen). Die Investitionen für das Wärmedämmverbundsystem können sich gegenüber den Berechnungen noch reduzieren, wenn im Einzelfall nachgewiesen wird, dass der Altputz noch tragfähig ist, sodass auf eine Verdübelung des WDVS verzichtet werden kann.